Saturday, 27 September 2014

Feminismus - erklärt von Emma Watson

Ich habe das Video von Emma Watsons Rede über Feminismus, präsentiert in ihrer Rolle als UN Botschafterin, schon bei Facebook gepostet, aber ich hab das Gefühl, dass es hier auch nochmal hingehört. Es ist so eine wahre und starke Nachricht, dass jeder sich das Video unbedingt anschauen sollte. 

In der Uni muss ich gerade eine Analyse über einen Artikel schreiben, in dem es darum geht, dass in der wissenschaftlichen Sprache der Biologie alle möglichen geschlechterspezifischen Stereotypen aufgefahren werden. Genauer gesagt, geht es um Ei und Sperma und dass die weiblichen, biologischen Prozesse als weniger Wert als die des Mannes angesehen werden. So wird der Zyklus der Frau beispielsweise in manchen Büchern als Fehler beschrieben, bei dem nur Abfall entsteht, aber im gleichen Absatz der männliche Körper mit seiner enormen Leistung gelobt wird, dass er mehrere hundert Millionen Spermien pro Tag 'verschwenden' kann.
Insgesamt wird das Ei auch als sehr feminin präsentiert, wobei mit feminin dann Adjektive wie schwach und passiv assoziiert werden. Die Spermien dagegen treffen die existenziellen Entscheidungen das Ei zu befruchten, gegeneinander um die Befruchtung zu kämpfen und am Ende als Sieger und Held aus dem Gemetzel hinauszugehen.
In späteren Schriften wird dem Ei auch eine aktivere Rolle zugesprochen, aber nur weil es  dann empirisch bewiesen wurde, dass Ei und Sperma zu gleichen Teilen aktiv sind. Dass es bewiesen wurde, heißt aber noch lange nicht, dass man es auch so beschreiben muss. In dem Auszug (Schatten und Schatten), in dem nach neuen Studien beide Teile als aktiv angesehen werden, geht es später darum, dass die Spermie eine Harpune zum Ei wirft und somit den ersten Kontakt knüpft. Hallo? Warum gerade eine Harpune? Es geht im Grunde immer nur um kleine Wörter, die am Ende einen großen Einfluss auf unser allgemeines Verständnis haben.

Jedenfalls hatte ich gestern eine Lerngruppe, bei der wir über den Artikel geredet haben und niemand der Autorin Emily Martin so wirklich in ihren Forschungen zustimmen konnte. Ich konnte das wiederum die ganze Zeit nicht nachvollziehen, weil ich ihr in den meisten Punkten zustimme. Irgendwann hat sich dann rauskristallisiert, dass alle mit dem Umstand ein Problem hatten, das Martin sich selbst eine Feministin nennt und mit dem Wort Feministin niemand Gleichberechtigung verknüpfte, sondern das Abheben von Frau über Mann. Dementsprechend haben alle den Artikel mit negativen Gedanken gelesen und wollten ihren Gedankengang auch nicht wirklich nachvollziehen. 
Es ist erstaunlich und fast sogar erschreckend, welche Reputation der Begriff hat.

Ich hoffe, dass Emma Watson hier mit diversen Vorurteilen gegenüber dem Begriff Feminismus klaren Tisch macht und wir diese Botschaft alle schön weitertragen.




Tja, anstelle meines Essays habe ich jetzt diesen Blog geschrieben. Hello, procrastination. Nice to meet ya - again.
Und der Artikel über den ich die ganze Zeit rede, heißt "The Egg and The Sperm: How Science Has Constructed a Romance Based on Stereotypical Male-Female Roles" von Emily Martin (1991).

1 comment:

  1. Ich danke den Feministinnen der erste Stunde, die es mir ermöglicht haben, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Leider ist auch bei und Deutschland noch vieles im Argen. Ich denke an eine Frau meines Abiturjahrgangs (1982), die zwar Professorin werden konnte aber nur unter Verzicht auf ein Familienleben.
    Wir haben damals viel diskutiert über Sprache. Dass die Sprache das Denken beeinflusst. Es gab keine Lehrerinnen oder Ärztinnen. Ihre Berufsbezeichnung war Lehrer oder Arzt (was im Gegensatz zum Englischen schon ein Problem war, denn der Artikel ist männlich "der" i.G. zu dem neutralen "the"). So haben wir immer bewusster die weiblichen Formen verwendet. Immerhin ist es inzwischen selbstverständlich, bei uns als Frau einen Beruf zu erlernen, auch mit Kindern weiter zu arbeiten und ich bin sicher, dass auch die Wirtschaft den Männern mittelfristig immer mehr Familienzeit erlauben wird.
    Corinna

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